Definition der Pflege und Pflegeplanung

Die Begriffe Pflege und «professionelle Pflege» werden in vielfältiger Weise verwendet. Als Mitglied des International Council of Nurses ICN übernimmt und unterstützt der SBK dessen Definition von professioneller Pflege: 

«Professionelle Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege umfasst die Förderung der Gesundheit, die Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind die Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), die Förderung einer sicheren Umgebung, die Forschung, die Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.»

(Offizielle, von den Berufsverbänden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz anerkannte Übersetzung der ICN-Definition of Nursing) – https://www.sbk.ch/pflegethemen

Pflege kann man in vielerlei Hinsicht unterschiedlich sehen, auffassen, definieren. Es gibt natürlich für fast alles heutzutage Standards. Gerade in Pflegeberufen ist die Tendenz sehr stark in die Richtung gehend Handlungen in der Pflege einem Standard zuzuordnen.

Pflegespezifische Diagnosen werden mittlerweile standartmässig erstellt. In dem Dschungel der Definitionen und verschiedenen Formulierungen muss man sich erst einmal zurechtfinden. Es gibt hierbei klare Diagnosen und sehr unklare Diagnosen. Was hat sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre meiner Berufslaufbahn geändert? Was hat sich entwickelt? Wo kann das Pflegepersonal profitieren und wo wird es in den Standardwahnsinn getrieben?

Ich möchte noch einmal in meine ersten Berufsjahre zurückblicken. Wir waren im 1996 -1999 in der Krankenpflegeschule Auszubildende zur Krankenschwester. Sehr viel Wert wurde in die positive Formulierung der Probleme des Patienten gelegt. Wir wurden dazu angehalten die Probleme so spezifisch wie möglich in eine positive Formulierung zu packen. Hierbei wurden wir Krankenpflegeschüler dazu angehalten jeweils die Probleme des Patienten zu erkennen und zu formulieren. Jedoch sollten vermieden werden unsere Interpretationen in die Problemdarstellung einzubinden. Denn wo wir ein Problem sehen, heisst noch lange nicht, sieht auch der Patient seine Probleme.

Wenn eine Person beispielsweise nachts wenig schläft, heisst es noch lange nicht, dass es für die Person ein Problem darstellt. Wann wird dies zu einem Problem? Wenn der Patient selber äussert, dass er unter ständiger Müdigkeit leidet, weil er Nachts nicht ausreichend Schlaf findet? Hilfreich ist es in der Problemerfassung die Worte der Patienten zu übernehmen. Durch richtige Fragestellungen können wir das in einem Gespräch und bei guter Beobachtungsgabe jeweils erfassen und skizzieren. Nach unserer Formulierung können wir den Patienten in die Zielfindung und Massnahmenformulierung aktiv mitwirken lassen. Es geht ja hier um ihn.

Fragen wir doch den Patienten, was seine Vorstellungen sind. Nach Erfassung der genauen Probleme können wir im NANDA Katalog die Pflegediagnosen erstellen und gemeinsam mit dem Patienten an den Massnahmenformulierungen arbeiten. Schliesslich sind wir von der Mitwirkung des Patienten abhängig, erfolgreich die SMART gesetzten Ziele zu erreichen. Ich möchte gerne meinen persönlichen Eindruck mitteilen indem ich der Meinung bin, trotz Standarisierung und Pflegediagnosenerstellung die individuelle Betreuung und individualisierte Pflegeplanung weiter zu nutzen.

Des weiteren möchte ich bei der Problemfindung direkt an der gemeinsamen Findung der Ressourcen erinnern. Sie gehören ebenfalls in die Erfassung der Probleme und die Ressourcen kann uns ein kognitiv gesunder Mensch sehr gut mitteilen. Nutzen wir Pflegenden diese Möglichkeit und gestalten wir den Pflegealltag mit unseren Patienten und vermeiden die Planung um den Patienten herum.

Der Patient wird dies mit aktiver Hilfe und der Nutzung seiner Ressourcen danken. Uns wird der Pflegealltag sehr viel mehr Freude bereiten und wir werden ein konstruktives Denken entwickeln.